An(ge)dacht

„Siehe, ich mache alles neu!“

 
Der Frühling kommt und die Tage werden länger. Der Freude über die ersten Schneeglöckchen und Osterglocken folgt schon bald das Staunen über das satte Grün der ersten Sträucher. Je älter ich werde, umso mehr freue ich mich an der Lebendigkeit, die die Welt und mich selbst jeden Frühling erfasst.
 
„Siehe, ich mache alles neu“. Die Jahreslosung für 2026 fasst manche Gefühle im Frühling zusammen. Dabei erinnert sie an das Sprichwort „Alles neu macht der Mai“ – aber sie meint viel mehr als das neue Frühlingsoutfit, den Terrassenputz oder den bunt erblühenden Garten. Sie steht in der Johannesoffenbarung, dem letzten Buch der Bibel: Das ist Programm. Sie weist über unsere Zeit und Projekte hinaus auf Gottes Schöpferkraft hin. Gott verspricht: „Ich mache alles neu“. Wann, wie oder wo – das wissen wir nicht und wir haben es auch nicht selbst in der Hand. Trotzdem ist das eine Orientierung, die der christliche Glaube immer in sich trägt. Wir vertrauen auf einen Gott, der „von vorne“ auf uns zukommt. Die Bibel erzählt von ihm in Bildern des Aufbruchs und Neuwerdens: Von der Schöpfung über den Auszug aus Ägypten bis zu Weihnachten, Ostern und Pfingsten: immer geht es darum, dass Gott Neues entstehen lässt und Menschen sich davon mitnehmen und dafür gewinnen lassen.
 
Manches ist in diesem Frühjahr schon neu geworden – auch hier bei uns in der Evangelischen Kirche in Heidelberg und in Wieblingen: Unter dem Motto „Herzlich willkommen, Neuanfang“ haben wir den neuen Ältestenkreis eingeführt. Die Selbsterfahrungsgruppe für Studierende mit Teilnehmer*innen aus ganz Heidelberg ist gestartet. In einem neuen Wahlverfahren wurden  die Delegierten der Stadtsynode erstmals gewählt statt wie bisher durch die Gemeinden delegiert. Im Blick auf besondere Gottesdienstformen kooperieren wir mit den Kolleg*innen aus Handschuhsheim/Neuenheim – und gerade im Blick auf die Dienstpläne von uns Hauptamtlichen steht noch manche Veränderung an.
 
Nicht nur in der Kirche, auch gesellschaftlich ist vieles im Wandel. Das macht Angst und vielen fällt das schwer. Das wird sich auch politisch wiederspiegeln. Die Jahreslosung will uns ermutigen: unser Leben so zu leben, dass es auf Zukunft hin angelegt ist – im Vertrauen auf Gottes Möglichkeiten für uns und für die Welt. Dass uns das in der Kirche und als Gesellschaft gelingt – das wünsche ich uns.
 
Mit den besten Wünschen für eine fröhliche und bunte Frühlings- und Osterzeit grüßt Sie Ihre
Pfarrerin Verena Schlarb